Von Flucht und Neubeginn

Aussstellung und Programm des Stadtmuseums mit KuKuG-Beteiligung

Ein großes, umfassendes Projekt startet im Anbau des LernWerks: „Schwere Schritte“ lautet der Titel, und es geht um „Bocholter Geschichten von Flucht und Neubeginn“. Vom 8. August bis 26. November präsentiert das Bocholter Stadtmuseum eine Ausstellung, ergänzt durch ein umfangreiches Veranstaltungsangebot. Acht KuKuG-Mitglieder sind an dem Projekt beteiligt.

Entstanden ist ein aufwändig konzipiertes und umgesetztes Projekt, das ein wesentliches Thema der Menschheit aufgreift: Nicht respektiert und geduldet zu sein, sondern vertrieben und verfolgt zu werden, nicht Ruhe und Rast zu finden, keine Heimat zu haben, stattdessen Angst und Qual zu erleiden. In vielfältiger Form wird dieses weltweit aktuelle, aber vielfach verdrängte Thema unter verschiedenen Aspekten bewusst gemacht – mit lokalem Bezug: Im Mittelpunkt stehen zehn Lebens- und Fluchtgeschichten heutiger Bocholter und Bocholterinnen. Die persönlichen Erfahrungen werden in neun Kapiteln eingeordnet, durch die Besucherinnen und Besucher der Ausstellung geleitet werden.

Dokumentarisch und plastisch

Konkret geschieht dies in dokumentarischer Form über die fokussierende textliche Vermittlung von Sachinformationen und zugleich durch veranschaulichende Exponate der beteiligten Kunstschaffenden Heidi Artz, Sandra Benning, Anke Burger, Karl-Gerd Gessner, Anke Hochgartz, Georg Paar, Sieglinde Potthoff und Nora Weßel. Ihre Arbeiten unter Verwendung verschiedener Kunstformen reichen von der Vergangenheit bis hin in die aktuelle Gegenwart und erschließen sich Betrachtenden unmittelbar und kommentarlos. Sie beziehen Besucherinnen und Besucher ein, teils auch auf partizipativ-aktive Weise.

Kooperativer Prozess

Außer KuKuG ist das Stadtmuseum ein Nutzer der Räume im Appendix. Jedenfalls solange, bis das Museum einen neuen Standort bezogen hat. Dies ist indes keine bloße Ausweich- und Übergangslösung. Es eröffnet die Chance der Kooperation, und die wird genutzt. Bereits bei der Ausstellung „Und sie waren unsere Nachbarn“ 2024 gab es eine erfolgreiche Zusammenarbeit, und jetzt wird diese zum konzeptionellen Bestandteil. Mit Anbeginn der Projektplanung und -entwicklung hat Lisa Resing, Leiterin des Stadtmuseums, Kunstschaffende von KuKuG einbezogen. Sie haben in einem intensiven Prozess mit ihr gemeinsam thematische Bezüge hergestellt und erörtert, Ideen für deren künstlerische Darstellung entwickelt und diese in unterschiedlichen Arbeiten umgesetzt.

Dieser Prozess reicht bis hin zur Präsentation im Rahmen einer Gesamtausstellung, zur Korrespondenz zwischen Texten und Exponaten und zur Kommunikation mit Besucherinnen und Besuchern. „Meet the Artist“ ist eines der Angebote im Begleitprogramm, in dessen Rahmen die beteiligten KuKuG-Mitglieder sich und ihre Arbeiten vorstellen. Es gibt bereits Voranmeldungen, die zeigen, dass dies auf Interesse stößt. Sieglinde Potthoff und Nora Weßel im Verbund mit der Jungen Uni bieten zudem Veranstaltungen mit Kindern und Jugendlichen an.

Modell für die Zukunft

Aus Sicht der Beteiligten sind die „internen Effekte“ hervorzuheben, die Erfahrung von Teamwork, das gemeinsame Erörtern eines Themas, das gegenseitige Inspirieren, das Sich-Abstimmen, praktische Lösungen zu finden und mit Hilfe anderer umzusetzen.

Zu Recht kann über dieses Projekt gesagt werden, dass es im hiesigen kulturellen Spektrum ein Novum darstellt, das zugleich für die Zukunft Türen öffnet. KuKuG hat die Zusammenarbeit mit örtlichen Kultureinrichtungen zu einer ihrer wichtigen Zielsetzungen erklärt und sieht sich hier nachdrücklich darin bestätigt. Und das Stadtmuseum findet bei KuKuG einen vielfältigen Fundus an Möglichkeiten auch für zukünftige Veranstaltungen.

  • Die Ausstellung zum Projekt „Schwere Schritte“ im LernWerk-Anbau (Appendix), Herdingstraße 5 (Zugang von der Industriestraße rechterhand des LernWerk-Gebäudes oder vom Aa-Radweg) ist ab 8. August immer donnerstags, samstags und sonntags jeweils von 11 bis 17 Uhr zu besuchen. Der Eintritt ist frei.

  • Führungen können angefragt werden unter 02871/953-2171 oder stadtmuseum@bocholt.de. Informationen zum umfangreichen Rahmenprogramm enthält eine Broschüre, die u.a. im LernWerk und im LernWerk-Anbau ausliegt. Sofern KuKuG daran beteiligt ist, ist dies dem KuKuG-Programm für das zweite Halbjahr 2026 zu entnehmen, das als Flyer an den genannten Orten sowie auf dieser Homepage zu finden ist.

01. August 2026