Karl Gerd Geßner (l.) und Halit Umar bei der Übergabe des Bildes "Eruption" in der KuKuG-Galerie. (Foto: pr)

Kunstfreunde

Eine zufällige Begegnung in einer KuKuG-Ausstellung und die Folgen

Das Leben ist ein Kreis, bei dem das Ende an den Anfang zurückführt. Dazwischen ist nichts Statisches, sondern ein Fließen zwischen Entstehen, Vergänglichkeit und neuem Werden – voller Eindrücke und Erlebnisse. Die Kunst ist dabei wesentliches Element. Sie trägt, und sie verbindet, und dies spürt KuKuG-Mitglied Karl Gerd Geßner ungeahnt ab dem Augenblick, in dem er in unserer temporären Pop-up-Galerie in der Nordstraße, wo er  im Februar vergangenen Jahres Bilder ausstellt, Halit Umar trifft.

Dr. Halit Umar, in der Türkei aufgewachsener, pensionierter Pathologe am Erasmus-Uni-Klinikum in Rotterdam, verbrachte gerade mit seiner Frau ein paar Tage Urlaub in der Nähe von Bocholt. „Als ich dort durch eine Straße mit vielen Geschäften und Schaufenstern der Innenstadt ging“, so berichtet er, „fiel mir ein Ort auf, an dem viele Gemälde ausgestellt waren. In diesem Moment war es, als ob eine Stimme mir sagte, ich solle diese Galerie betreten und sie mir nach Herzenslust genau ansehen. Es ist schwierig, meine Bewunderung und Begeisterung für die beiden Gemälde ,Komposition in Lila‘ und ,Eruption‘ in Worte zu fassen. Als ich diese Bilder voller Bewunderung betrachtete, erfüllten mich unglaubliche Emotionen.

In einiger Entfernung unterhielten sich zwei Leute. Ich ging auf sie zu und fragte zögerlich: Wissen Sie, wer diese Bilder gemalt hat und was sie wert sind? Der Herr im blauen Parka nannte seinen Namen und sagte, er sei der Maler dieser Bilder.“

Der Mann in Blau war Karl Gerd (Foto oben links mit Halit Umar), der zufällig für die Aufsicht in der Ausstellung eingesprungen war. Er musste sich von einem Bild trennen, das nach Rotterdam mit auf Reisen ging. Dafür aber gewann er einen Freund.

Gemeinsame Vision

Es war nicht allein der Gefallen am Gemälde „Eruption“ und an den beiden anderen, die Halit Umar später für sein Zuhause erwarb, eben jene „Komposition in Lila“ und „Liebeserklärung“. Sofort verband die beiden Männer, der eine 82, der andere 83, eine Art Seelenverwandtschaft, über ihre ganz unterschiedlichen Lebensläufe hinweg und trotz Verständigung auf Englisch als Brückensprache. Karl Gerd und seine Frau Maria besuchten Halit Umar und dessen Frau, man traf sich hier und dort. Und dann entstand die Idee für ein gemeinsames Buch. Es sollte „die gemeinsame künstlerische Vision krönen“ – die des Malers Karl Gerd Geßner und die des seit seiner Kindheit fotografierenden Halit Umar.

Ein solches Werk über die Entfernung zu planen und organisieren, wie beabsichtigt mehrsprachig zu betexten und zu bebildern war ein aufwendiges Vorhaben. „Alle Artikel, Fotos, Fragen, Überlegungen gingen mit E-Mail oder WhatsApp hin und her“, so Karl Gerd. „Die manchmal mit KI in die deutsche Sprache übersetzten Texte waren sehr oft eine einzige Katastrophe. Da merkte ich, KI hat keine Seele.“ Seine Frau Maria half intensiv beim Übersetzen.

Was beide lieben

„Art-o-filo“ nennt sich das Ergebnis nach einem Jahr intensiver Arbeit. Ein opulentes Werk mit 210 Seiten, 30 x 30 Zentimeter groß, knapp zwei Kilo schwer und von hochwertiger Papierqualität. „Kunst, die ich liebe“ lautet der Untertitel. Das Titelbild zeigt einen Ausschnitt von Karl Gerds Bild „Liebeserklärung“.

Fotografie, Malen, Zeichnen, Schreiben, die Natur und die Philosophie nennt er als Inhalt. Eigentlich aber ist das Buch noch viel mehr. Es ist ein Dokument des Wahrnehmens, des vielfältigen Erkundens und Entdeckens, der mitmenschlichen und interkulturellen Begegnung (Texte auf Türkisch, Deutsch, Englisch und Niederländisch). Es ist ein Buch der Bilder, Gedichte und kleinen Geschichten, ein Buch ohne strenge Gliederung, so wie einen viele beeindruckende Dinge halt just berühren, gerade auch deswegen ist es authentisch. Vor allem durch seine Fotos ist es vielsagend, ohne aufdringlich zu sein.

Aus Fotografie und Malerei wird ein Buch

Ein Buch der Kunst, die frei, unbegrenzt, universell sei und jede Sprache spreche, so Halit Umar in dem Buch. Er möchte sich „die Sprache der Malerei und der Fotografie zu Nutze machen“.  In dem Band, der auch sachliche Informationen zum Thema Fotografie enthält, ergänzen sich die beiden Verfasser insbesondere in ihrer Bildersprache ganz vorzüglich. Karl Gerds Schaffen wird in seiner ganzen Vielfalt deutlich. „Von mir“, sagt er, „findet ihr Bilder, die ich in unseren Ausstellungen gezeigt habe, aber auch neue wie ,Der  Blaue Kreis‘ oder ,Hommage für Stephen Hawking‘. Aber auch Zeichnungen aus meinen Sketch-Büchern und einen Blick zurück in die Jahre, in denen von mir Radierungen und Linolschnitte entstanden sind. Zu manchen Fotos von Halit habe ich Gedichte oder Betrachtungen geschrieben. Die im Buch einfließenden Texte sind wunderbare philosophische Gespräche.“

Über „Art-o-filo“ könnte man ein ganzes Buch schreiben und würde ihm doch nicht gerecht werden. Es ist ein sehr persönlicher Band, der in Wort und Bild die Zeit thematisiert, Licht und Schatten, die Vergänglichkeit wie die Unendlichkeit, für die der Kreis – in Karl Gerds Werken immer wiederkehrend – steht. So verstanden ist es ein Werk über das Leben, ein Lebenswerk – auch für Außenstehende zum Blättern, Betrachten, Erkennen, Nachdenken und Sich-Erfreuen.

Joachim Freund

Wer Interesse an dem Buch hat, wendet sich an Karl Gerd Geßner, Tel. 02871/12881

Halit Umar fotografiert und lässt, wie auch der Maler, seine Bilder sprechen. (Foto aus "Art-o-filo")

09. November 2025